Arbeiten in Hollig

Landwirtschaft
Wie in der gesamten Region stand in Hollig die Landwirtschaft an erster Stelle. Doch die kargen Böden ernährten die Familien nicht und so waren die meisten Männer gezwungen, neben der Landwirtschaft noch einen anderen Beruf auszuüben. Die Landwirtschaft blieb damit größtenteils den Frauen überlassen, die ihre Kinder großziehen mussten und gezwungen waren zusätzlich die körperlich extrem harte Arbeit auf den Feldern zu verrichten. Noch in den 1950 er Jahren gab es in Hollig keine Pferde und selbst Ochsen waren selten. Zum Pflügen wurden Kühe einsetzt. Die Frauen bedienten die schweren Pflüge, während die Kinder die Kühe antrieben. Hinzu kam, dass die Felder aufgrund des geltenden Erbrechts, bei dem das Erbe durch die Anzahl der Kinder geteilt wurde, oft sehr weit auseinander lagen. Dieses wurde erst durch die Flurbereinigung in den 1970 er Jahren geändert. Die meisten Familien hatten früher 1-2 Kühe, ein paar Schweine und Hühner.

 

Die Männer, die keinen klassischen handwerklichen Beruf erlernt hatten, wie z.B. Maurer oder Zimmermann,  mussten andere Verdienstmöglichkeiten finden. Im 18. und der 1. Hälfe des 19. Jahrhunderts fand man z.B. Arbeit in den Kupferminen und –hütten in der Umgebung, im 19. Und 20. Jahrhundert in den Eisenerz - Gruben, den Basaltsteinbrüchen und in den Sommermonaten in den Bimsfabriken im Neuwieder Becken. In den 1950 er Jahren kam die Firma Reuschenbach in Siebenmorgen als wichtiger Arbeitgeber, gerade auch für die Holliger Bevölkerung, hinzu. Auch die Erweiterung der Autobahn A3 und der Bau der Wasserleitung in der Gemeinde Breitscheid sorgten in dieser Zeit für Arbeitsplätze.

 

Kupferminen und –hütten / Glashütte
In der gesamten Region gab es im 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl von Kupferminen. Zwei davon befanden sich auch im Fockenbachtal, die Grube Louisenglück nahe dem Ort Niederhonnefeld und die Grube Ferdinand. 1752 wurde in Bürder eine Kupferhütte, die Clemenshütte, gebaut, die 1812 wieder geschlossen wurde. Auch im Fockenbachtal errichtete man im 18. Jahrhundert eine Kupferhütte. Aufgrund geringer Erträge wurde diese im Jahre 1800 zu einer Glashütte umgebaut. Die Hütte befand sich in der Nähe des Fliegerdenkmals im Fockenbachtal. 1831 wurde sie geschlossen1.

 

Die vielen alten Stollen, die heute noch im Fockenbachtal zu finden sind, sind Zeugen dieser Zeit.

 

Eisenerzgruben
Die wichtigsten Eisenerz-Gruben aus Holliger Sicht waren die Grube Georg in Willroth und die Grube Louise in Niedersteinebach.

 

Grube Georg
Die Grube wird 1338 erstmalig erwähnt. Ein wichtiger Arbeitgeber wird sie nach 1815 als der Staat Preußen in den Besitz der Grube gelangt und diese stark erweitert. 1865 erwirbt Alfred Krupp die Grube Georg und setzt dort erstmalig technische Geräte, wie z.B. eine Dampfmaschine ein. 1946 arbeiteten 535 Menschen dort. Nach dem Krieg wurde die Grube mit Hilfe des Marshallplans noch einmal erweitert und modernisiert. Im Jahre 1953 ging sie in das Eigentum der Erzbergbau Siegerland AG über. Am 31.03.1965 wurde die Förderung eingestellt. Einer der großen Arbeitgeber der Region schloss für immer die Tore. Die Grube Georg ist heute ein Industriedenkmal. 2

 

Grube Louise
Wann die Grube Louise entstanden ist, ist unbekannt. Erstmalig erwähnt wird sie 1771 im Rahmen eines Verkaufs. Wie auch die Grube Georg gehörte sie ab 1815 dem Staat Preußen und wurde 1865 von Krupp gekauft. Die Grube Louise beschäftigte ca. 400 Mitarbeiter und wurde 1930 geschlossen. 3

 

Basaltsteinbrüche
Viele Basaltsteinbrüche befanden sich auf der Linzer Höhe, doch für Hollig am wichtigsten waren im 19.Jahrhundert die Steinbrüche am Roßbacher Häubchen und am Mahlberg. Im 20.Jahrhundert kam  der Basaltsteinbruch in Bertenau hinzu. Ab ca. 1910 wurde hier Basalt gebrochen. Wer sich Bilder aus dem Steinbruch anschauen möchte, findet diese hier. 4

 

Bimsfabriken im Neuwieder Becken
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, vielleicht auch früher, gingen insbesondere junge, unverheiratete Männer im Sommer ins Neuwieder Becken, um dort in den Bimsfabriken zu arbeiten. Die Männer arbeiten den ganzen Tag in den Bimsfeldern, solange es hell war und wohnten die Woche über dort. In den Wintermonaten kam man zurück in den Ort. Dort verdienten sich einige von ihnen noch etwas dazu, in dem sie im Wald Holz machten.

 

Alle diese Arbeitsstellen mussten zu Fuß erreicht werden. Einen öffentlichen Nahverkehr gab es im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch nicht. 1-2 Stunden Wegzeiten bis zur Arbeitsstelle waren nicht ungewöhnlich. Im Sommer wurden oft vor der Arbeit noch die Wiesen gemäht.

 

In den 1950 er Jahren wurden dann Busse zu den Arbeitsstellen eingesetzt. So fuhr jeweils zu Schichtanfang und Schichtende ein Bus zur Grube Georg und in den 1960 er Jahren auch zu den Lemmerzwerken in Königswinter. Jetzt konnten sich auch schon einige Menschen ein eigenes kleines Auto leisten, um damit zu ihren Arbeitsstellen in die umliegenden Städten zu fahren. Trotzdem war die Eröffnung einer Fabrik in Siebenmorgen den Holligern sehr willkommen. Näher konnte eine Arbeitsstelle kaum sein. Die Firma Reuschenbach stellte jahrzehntelang Türen und Fenster her, bis sie schließlich 2011 geschlossen wurde.

 

 

Quellenvereichnis:

1  Albert Hardt: Im Lande der Neuerburg an der Wied

2 Wikipedia.de "Grube Georg"

3 Wikipedia.de "Grube Louise"

4 Wikipedia.de "Niederbreitbach"