Holliger Chronik

 

1570

Erstmalig wird von einem Hof „Holwich“ (wahrscheinlich abgeleitet von Hohlweg) berichtet. Der Holliger Hof war entstanden als Nebenstelle des Verscheider Hofs, die sich aber im Laufe der Jahre zu einem eigenständigen Hof entwickelte. Der Heimatforscher Dr. Albert Hardt geht davon aus, dass die Gründung Holligs bereits im 15. Jahrhundert erfolgte.1

 

Hollig und das gesamte Land Neuerburg gehörte zu dieser Zeit zum Kurfürstentum Köln.

 

1659

Erstmals wird Hollig in den kurkölschen Aufzeichnungen erwähnt. Es wird von acht Höfen berichtet, von 14 Morgen Wiesen und 69 Morgen Ackerland. 1

 

1670

Erste Erwähnung der Fockenbachsmühle, die auch Holliger Mühle genannt wurde. Auch hier ist davon auszugehen, dass die Entstehung im 15. Jahrhundert stattgefunden hat. Bereits vor 1700 wurde die Familie Buhr als Besitzer der Mühle benannt. Bis 1985 bleibt die Mühle durchgehend in Familienbesitz.1

 

1685

Hollig wird in Zusammenhang mit der Verscheider Kapelle erwähnt. Herrmann von Hollig vermacht der Verscheider Kapelle 15 Taler, mit der Bestimmung, dass jährlich für 48 Albus Brot gebacken und an die Armen verteilt wird. 2

 

1750

In Aufzeichnungen des Kurfürstentums Köln finden sich die Namen der damaligen Holliger Familien: Bär, Hermann, Holl, Rahms, Rech, Rosbach, Siebenmorgen, Stoffels. 1

 

1803

Nach der Besetzung Kölns durch Napoleon wird das Kurfürstentum Köln aufgelöst. Ein Teil der rechtsrheinischen, kurkölschen Gebiete, zu denen auch Hollig gehört, wird nun der Grafschaft zu Wied-Runkel zugeschlagen.

 

1806

Die 1803 dem Grafen zu Wied-Runkel zugeschlagenen Gebiete werden im Rahmen der Rheinbundakte in das Herzogtum Nassau eingegliedert.

 

1815

Nach dem Wiener Kongress und der damit verbundenen Neuordnung in Europa werden die ehemaligen Gebiete des Kurfürstentums Köln dem Königreich Preußen zugesprochen.

Für Hollig beginnt die preußische Zeit.

 

1843

Hollig besteht 1843 aus neun Häusern und 76 Einwohnern. Durch den Anschluss an das evangelische Preußen im Jahr 1815 sind zu diesem Zeitpunkt auch bereits die ersten evangelischen Christen in Hollig zu finden. 1

 

1871

Nach Beendigung des deutsch-französischen Krieges wird in Versaille das Deutsche Reich gegründet und der Deutsche Kaiser proklamiert. Hollig gehört damit zum Deutschen Kaiserreich. Soweit bekannt, gab es in diesem Krieg zwar Gefallene aus der Gemeinde Breitscheid, nicht aber aus Hollig.

 

1919

Nach Ende des ersten Weltkriegs und der Gründung der Weimarer Republik gehört Hollig bis 1929 zu den Zonen des besetzten Rheinlandes. Ob die Unruhen der Weimarer Republik Hollig erreicht haben ist unklar. Fest steht aber, dass im Rahmen der Weltwirtschaftskrise (1928 – 1930) die Grube Louise endgültig die Förderung einstellte und die Grube Georg zeitweise. Es ist davon auszugehen, dass der Wegfall zweier so wichtiger Arbeitgeber in der Region, die Menschen in Hollig wirtschaftlich massiv getroffen haben muss.

 

1925

Hollig wird an das elektrische Stromnetz angeschlossen. 1 Das Zeitalter der Karbit- und Petroleumlampen ist nun in Hollig vorbei.

 

1928

Die Gemeinde Breitscheid gründet die erste freiwillige Feuerwehr, die aus drei Löschzügen mit jeweils 12 Mann besteht. 1

 

1939 – 1945

Zwar bleibt Hollig während des 2. Weltkrieges im Wesentlichen von Zerstörungen verschont, doch die Menschen sind häufig gezwungen bei Luftangriffen in den alten Stollen des Fockenbachtals Zuflucht zu suchen und dort Stunden oder auch Nächte auszuharren.

 

1945

Einmarsch der amerikanischen Truppen in Hollig. Nach Ende des 2. Weltkrieges wird Hollig Teil der französisch besetzten Zone. Die Kinder in der Schule erhalten nun auch Unterricht in der französischen Sprache.

 

1946

Hollig gehört nun zu dem neugeschaffenen Bundesland Rheinland-Pfalz.

 

1952

Wilhelm Over aus Hollig wird Bürgermeister der Gemeinde Breitscheid und übt dieses Amt bis 1969 aus. Für seine Verdienste um das Gemeinwohl erhält er das Bundesverdienstkreuz.

 

1953 *

Das erste Telefon wird in Hollig bei Wilhelm Over installiert. Es handelt sich hierbei um ein sogenanntes „Öffentliches Telefon“, d.h. die Menschen aus dem Ort konnten von dort anrufen. Ein Telefonat kostete 20 Pfennig. Das Telefon hatte die Telefonnummer 305.

Vorher mussten die Holliger nach Hochscheid zur Post gehen, um dort zu telefonieren.

 

1953 *

Die Fockenbachsmühle stellt den Mühlenbetrieb ein. Stattdessen wird dort ein Ausflugslokal eröffnet, das im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und für Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung wird.

 

1954

Hollig wird an das öffentliche Wasserleitungsnetz angeschlossen. Bis dahin musste das Trinkwasser aus dem Holliger Bohr geholt werden, bei Trockenheit sogar aus dem Rosbachtal. Dazu benutzte man ein Joch, an dem zwei Eimer hingen. Einige Holliger Häuser hatten zudem Bassins, in denen das Regenwasser aufgefangen wurde, z.B. das Haus der Familie Beck und Steinebach oder eine Pütz (=Brunnen) wie z.B. das Haus der Familie Heumann. Dieses Wasser wurde z.B. zum Waschen der Wäsche benutzt. Mit dem aufgefangenen Regenwasser im Holliger Poal wurde das Vieh getränkt. Der Poal befand sich direkt am Ort, auf dem Grundstück auf dem heute die Trafostation steht.

 

1956

Der erste Fernseher in Hollig wird bei Familie Pluschke installiert. Damals konnte nur ein Fernsehprogramm empfangen werden. Die Tagesschau wurde zweimal wöchentlich ausgestrahlt. Zu diesem Ereignis versammelten sich die Leute aus dem Dorf im Wohnzimmer der Familie.

 

Das erste Auto in Hollig befindet sich im Besitz von Franz Heumann. Es handelt sich dabei um eine BMW Isetta 600,  die aufgrund ihrer nach oben aufgehenden Fronttür auch Adventsauto genannt wurde (mach hoch die Tür).

 

1962

Hollig und die gesamte Gemeinde Breitscheid gehört nun zum neu geschaffenen Naturpark Rhein-Westerwald.

 

1963

Geburt des bisher letzten in Hollig geborenen Kindes, Klaus Pluschke.

 

1965 *

Der Bebauungsplan für Hollig wird erweitert. Oberhalb des Holliger Poals entstehen 5 neue Häuser.

 

1966

Franz Kramer und seine Frau Finchen werden Karnevalsprinzenpaar auf der Hüh.

 

1971 *

Hollig wird Ortsteil von Breitscheid. Die Dorfstraße wird nun in Mühlenstraße umbenannt, da es in Breitscheid bereits eine Dorfstraße gibt.

 

1972 *

Flurbereinigung. Durch Erbteilungen waren die Besitzungen im Laufe der Jahrhunderte sehr stark auseinander gerissen worden. Im Zuge der Flurbereinigung erhielten die Grundstückseigentümer nun zusammenhängenden Grund und Boden.

 

1975

Erstes Dorffest in Hollig. In der Garage der Famile Kramer / Schneider treffen sich erstmals die Holliger zu einem gemeinsamen Fest.

 

1992

Hollig wird an die Kanalisation angeschlossen. Bis zu dieser Zeit hatte jedes Haus eine Jauchegrube und einen Sickerschacht, die regelmäßig entleert werden mussten.

 

1998

Ulla und Erich Engel werden Prinzenpaar auf der Hüh.

 

Die Fockenbachsmühle wird Hundepension.

 

2006

Der Dorfplatz wird eingeweiht. Unter der Bürgermeisterin Roswitha Schulte erhält Hollig einen zentralen Platz, an dem sich Jung und Alt treffen können.

 

2012

In Hollig werden in einem Jahr drei Kinder geboren. Das ist selbst der Rheinzeitung einen Bericht wert.

 

2013

Die Gemeinde Breitscheid ehrt den verstorbenen Holliger Maler und Grafiker Fritz Over (1923 – 1997) mit einer Ausstellung in der Grundschule Siebenmorgen. Auch mehrere Ansichten von Hollig sind unter den Bildern.

 

 

* = Daten sind geschätzt

 

 

Quellenverzeichnis:

1  Albert Hardt: Im Lande der Neuerburg an der Wied

2 Alfons Hoffmann / Richard Schicker: 750 Jahre katholische Pfarrgemeinde „Maria Himmelfahrt“ Waldbreitbach