Kinderfreizeit

erzählt von Agnes Pluschke

 

Im Winter wenn die Arbeit draußen gemacht war, saßen wir oft in der Küche und haben Handarbeiten gemacht, geflickt, gestopft, genäht und gestrickt. Dabei wurde sehr viel gesungen, zum Beispiel die alten Minnelieder, Volkslieder und auch Kirchenlieder. Das war immer die schönste Zeit im Jahr, denn man hatte etwas mehr Zeit und Ruhe. Vor Weihnachten wurde dann gebastelt und gewerkt für Weihnachten und viele, viele  Plätzchen gebacken. Die Männer waren auch dabei und wenn sie nichts zu tun hatten wurden Geschichten von früher erzählt und wir Kinder spitzten dann die Ohren. Manchmal haben wir auch Spiele gespielt, wie z.B. Mensch ärgere dich nicht, Dame, Mühle, Halma. Viel Auswahl gab es nicht, denn es war ja Nachkriegszeit.

 

In den Sommermonaten, wenn wir nicht mit Arbeiten beschäftigt waren, haben wir uns viele Spiele ausgedacht. Wir haben Häuschen gebaut und darin gekocht. Alte Schuhcremedosen wurden sauber gemacht und dienten als Kochtöpfe. Wir konnten alles gebrauchen was übrig war, manchmal auch alte Scherben. Unsere Fantasie war unendlich groß. Fanden wir eine schöne bunte Scherbe, die wurde sorgsam gehütet wie ein Schatz. Fangen, Verstecken, Räuber und Gendarm ( Polizist ) waren  beliebte Spiele für draußen.

 

Im Winter war uns kein Wetter zu schlecht zum Schlittenfahren, Bahnschlagen oder Schlittschuh laufen auf dem Holliger Poal. Beim Schlittenfahren wurde aus mehreren Schlitten ein Bob zusammengebaut. Einer setzte sich auf den ersten Schlitten. Er war der Lenker und dann ging es ab, oft bis zur Fockenbachsmühle. Abends war es schon stockdunkel, denn eine Straßenbeleuchtung gab es noch nicht. Wir fuhren weiter bis unsere Eltern uns unter Androhung von Strafen reinholten. Aber wir waren nicht klein zu kriegen. An Kleidung gab es damals für Mädchen noch keine langen Hosen oder Strumpfhosen. Wir hatten lange Strümpfe, die bis übers Knie reichten und mit einem Strumpfband an einem Leibchen befestigt waren. Das heißt ein ganzes Stück nacktes Bein kam zwischen Strumpf und Unterhose raus. Diese Haut war natürlich abends feuerrot und hat gebrannt wie Feuer. Aber alles das konnte uns nicht erschüttern. Anderntags ging es weiter.