Schlachtfest

erzählt von Agnes Pluschke

 

Vor Weihnachten wurde auf den Höfen immer geschlachtet. Einen Tag vorher kam der Fleischbeschauer (Trichinenbeschauer), um zu sehen, ob das Schwein lebt. Ich fand das Schlachten immer schrecklich und bin dann zu den Nachbarn ausgewandert. Dort blieb ich dann den ganzen Tag bis der Schlachter weg war. Wenn mich der Metzger gesehen hat, sagte er immer zu mir:  „Ich schneide dir die Ohren ab und tu sie mit in die Wurst.“ Beim Wurstmachen war ich dann dabei. Vorher kam dann der Trichinenbeschauer mit seinem Mikroskop und prüfte das Fleisch auf Trichinen und Tuberkulose. Das war sehr spannend für uns Kinder. Hatte er nichts auszusetzten, durfte Wust gemacht werden. Das Fleisch und die Wurst wurden zum Teil eingekocht oder gepökelt. Kühl- und Gefrierschränke gab es zu dieser Zeit in Hollig noch nicht. Beim Schlachtfest gab es immer etwas Gutes zu essen, eine leckere Wurstsuppe und natürlich frische Wurst.